„Wir bauen Brücken in den Arbeitsmarkt“

 

17. Juni 2016

 

Was muss getan werden, damit es Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt schaffen? Eine Frage, die in den letzten Monaten viel diskutiert worden ist. Wie es im Saarland gelingt, Menschen mit Migrationshintergrund in die regionalen Betriebe zu integrieren, berichtet Christian Düppre von der Initiative "Saarwirtschaft hilft Flüchtlingen". „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank das Projekt zum „Ausgezeichneten Ort 2016“.

 

 

Christian Düppre im Portrait
 

Wie engagiert sich Ihre Initiative für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten im Saarland?

Mehr als 12.000 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr im Saarland angekommen. In unserem Verein machen sich regionale Wirtschaftsverbände dafür stark, Brücken in den Arbeitsmarkt zu bauen und Perspektiven für ein neues Leben in Deutschland zu schaffen. Wir vermitteln beispielsweise Flüchtlinge, die erfolgreich einen Integrationskurs abgeschlossen haben, an die Betriebe in der Region. Am 21. Juni veranstalten wir eine große Jobbörse in Saarbrücken, zu der die Bundesagentur für Arbeit potenzielle Kandidaten mit Migrationshintergrund einlädt. In unserem Netzwerk tauschen Unternehmen darüber hinaus ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich.

 

Welche Erfahrungen haben die Unternehmen, die Geflüchtete unterstützen, bisher gemacht?

In der Praxis zeigt sich, dass die Qualifikationen der Geflüchteten sehr unterschiedlich sind, und dass es wichtig ist, vorhandene Wissenslücken zu schließen – vor allem in puncto Sprachkompetenz. Während einer Ausbildung muss es deshalb neben Berufsschule und Praxis allgemeine und fachspezifische Deutschkurse geben. Hilfreich sind auch Einstiegsqualifizierungen: Arbeitssuchende Flüchtlinge können etwa mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit während eines halb- bis ganzjährigen Praktikums notwendige Erfahrungen sammeln. Anschließend kann eine Ausbildung begonnen werden.

 

Die meisten Neuankömmlinge kennen das Arbeitsleben in Deutschland nicht. Bringen sie neue Gedanken und Ideen mit, die für die Betriebe nützlich sein können?

Gute Ideen entstehen häufig durch einen Perspektivwechsel. Der Blick von außen auf unsere Unternehmenskultur kann dabei helfen, routinierte Betriebsabläufe oder eingespielte Arbeitsweisen zu überdenken und Neues auszuprobieren. Viele der jungen Flüchtlinge sind zudem hochmotiviert und engagiert. Sie bringen frischen Wind in die Unternehmen.

 

Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die Geflüchtete beschäftigen wollen?

Wichtig ist, dass die Unternehmen rechtlich auf der sicheren Seite sind: Wer in Deutschland als anerkannter Flüchtling eine Aufenthaltserlaubnis hat, darf hier auch arbeiten. In allen anderen Fällen sollte man sich unbedingt bei der Agentur für Arbeit informieren. Hilfreich kann es zudem sein, im Betrieb einen Paten zu benennen, der sich um die Neuzugänge kümmert. Um die Ausbilder im Unternehmen für interkulturelle Fragen zu sensibilisieren, sind entsprechende Fortbildungsangebote empfehlenswert.

 

Sie wurden 2016 von der Deutschen Bank und der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ prämiert. Ihr Projekt zeigt, wie durch Kooperation gesellschaftliche Herausforderungen gemeistert werden können. Wie nutzen Sie die Auszeichnung, um Ihr Netzwerk bekannter zu machen?

Wir werben auf Veranstaltungen für die Integration von Flüchtlingen. Die Auszeichnung trägt dazu bei, unseren Verein und sein Wirken zugunsten der Integration von Flüchtlingen in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen.  Auf diese Weise hoffen wir, noch mehr Unternehmen zu gewinnen, die Flüchtlingen eine Chance geben.